Detail der Verpackung der Gelben Sorte um 1925 Hans Domizlaff Archiv - Frankfurt am Main
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Dirk III

Ein Klassiker der Segelliteratur

Ein lange in Vergessenheit geratenes Stück Segelliteratur, das wie nur wenige das Zeug zu einem echten Klassiker hat, liegt endlich wieder vor. Der erfahrene und versierte Fahrtensegler Hans Domizlaff hat es in den 30er Jahren geschrieben, als dieser Sport noch ein kostspieliger Zeitvertreib für eine kleine Elite war, die sich im Kaiserlichen Yachtclub als "Herrensegler" zusammenfanden. Insofern ist dieses Buch auch ein Zeitdokument, da der damalige Vorsitzende dieses Vereins, der legendäre Admiral Begas, auf der Dirk III als ‚Onkel Alo' bis zu seinem Tod mitsegelte.

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Hans Domizlaff berichtet über seine Fahrten zu den Faröer Inseln, an der norwegischen Küste entlang bis nach Hammerfest und in der baltischen See - Segelreviere, die auch heute nur von wenigen befahren werden. Dabei liefert er als erfahrener Nautiker für Segler heute noch wertvolle Hinweise. Nicht nur das: sein Talent, einen nüchternen Reisebericht, intensive Naturerlebnisse und die Schilderungen seiner Gedanken in eine fesselnde Sprache und stimmungsvolle Bilder zu packen, lassen den Band ‚Dirk III' zu einem intensiven Erlebnis werden. Die zahlreichen großformatigen Schwarzweiß-Aufnahmen stehen als visuelles Erlebnis gleichwertig neben dem sprachlichen Genuß. Bei der Reproduktion für die Neuauflage haben die Bilder leider gegenüber der Vorlage etwas verloren. Dem Fotopuristen ist die Suche in antiquarischen Katalogen zu empfehlen, wenn er die Abbildungen im Originaldruck genießen möchte.

Der für die damaligen Verhältnisse ungewöhnlich aufwendig ausgestattete Band wurde zwischen 1934 und 1941 dreimal in deutscher Sprache und 1937 in englischer Sprache aufgelegt. Das war insofern eine Besonderheit, da damals vielmehr die Engländer als das große Vorbild auf See galten. Dennoch haben die Ansichten eines deutschen Seglers in den angelsächsischen Ländern eine beachtliche Verbreitung gefunden.

Hans Domizlaff war seinerzeit anerkannt als Massenpsychologe und galt als Mentor der deutschen Werbung. Er war Schöpfer der Corporate Identity von Siemens und Reemtsma, entwickelte Marken wie Ernte 23 und R6 sowie zahlreiche Labels der Deutschen Grammophon Gesellschaft, darunter die international bekannte ‚Archiv Produktion'.

Die Reisen auf der Dirk III wurden wie Expeditionen geplant und ausgerüstet. In der Regel waren es mindestens sechs Wochen im Jahr, die Domizlaff, begleitet von einigen Segelfreunden und seiner Frau, für einen Törn veranschlagte. Seine Reise auf der Dirk III zum Nordkap wurde damals von der Presse in Deutschland und in Norwegen aufmerksam verfolgt. Die Schilderungen dieser Segelreise hat Hans Domizlaff 1930 in einer sechsteiligen Artikelserie in ‚Die Yacht' veröffentlicht. Es war damals die erste Reise einer Privatyacht zum Nordkap, die - nach den geltenden Regeln absolviert - dann auch vom Seglerverband mit dem Langfahrtpreis ausgezeichnet wurde.

Das Buch ‚Dirk III' war nicht das einzige Zeugnis von Domizlaffs Segelleidenschaft. Schon 1930 hatte er ‚Mit der Yacht Dirk II in Norwegen' veröffentlicht. Zusammen mit seinem Freund, dem Reeder Erich Laeisz, testete er auf der Alster die ersten Starboote in Deutschland und trug dazu bei, daß sie als olympische Klasse eingeführt wurden. Nach dem zweiten Weltkrieg verfaßte er das Buch ‚Passat - Lebensroman eines Tiefwasserseglers', das inzwischen auch zum dritten Mal aufgelegt wurde. Er entwickelte eine Knickspant-Yacht, die als ‚Walboot' dem Segelsport zu einer größeren Verbreitung verhelfen sollte. Unterhalb von Övelgönne am Elbufer in Hamburg ist noch heute die Slipanlage zu sehen, mit der Hans Domizlaff seine Schiffe an Land zog.

Daß dieses Buch nicht nur Segler faszinierte, sondern auch Nicht-Segler in seinen Bann ziehen kann, zeigt ein Helgoländer Freund Hans Domizlaffs, der Musiker Rolf Ermeler. Er schrieb Ende 1937 in einem Brief: "Ich möchte sagen, so komisch und ungeschickt es vielleicht klingen mag: daß Sie nicht nur körperlich, sondern auch geistig gesegelt sind! Bei wie wenigen Menschen findet man das. Bei denen das Segeln nicht nur eine Fortbewegungstätigkeit, sondern eine Naturverbundenheit darstellt, die durch nichts anderes ersetzt werden kann."

Svante Domizlaff, dem Sohn Hans Domizlaffs, ist die Anregung und dem Verlag die Neuauflage zu danken, denn mit den "Bildern und Gedanken" hat Hans Domizlaff eine "Philosophie des Fahrtensegelns" geschaffen, in der man, wie Svante Domizlaff im Vorwort zur Neuauflage schreibt, "Antworten auf die Fragen nach dem Sinn dieser Sportart findet, ja nach dem Sinn des Lebens überhaupt".

Peter Sumerauer, 12. November 1999

 
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