Manuskript von Hans Domizlaff um 1937 Hans Domizlaff Archiv - Frankfurt am Main
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Manuskript von Hans Domizlaff um 1937
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Versuch einer Definition

Zusammenfassung der Statements, die Hans Domizlaff in dem Buch 'Die Gewinnung des öffentlichen Vertrauens' abgibt.

Markentechnik

Nach über dreissig Jahren Zusammenarbeit formuliert ein intimer Kenner der Markentechnik aus dem Hause Siemens seine Kerngedanken zur Markentechnik. Dabei verwendet er Formulierungen, die aus dem Lehrbuch der Markentechnik "Die Gewinnung des öffentlichen Vertrauens" übernommen sind.

Das Wort Markentechnik bezeichnet ein Arbeitsgebiet, das sich mit der Handhabung von massenpsychologischen Hilfsmitteln für den Geltungskampf ehrlicher Leistungen oder produktiver Ideen befaßt, und zwar speziell mit dem letzlich allein dauerwertig sinnvollen Ziel einer Gewinnung des öffentlichen Vertrauens.

Die Marktentechnik beruht auf der grundlegenden Erkenntnis, daß das Publikum sich mangels fachlicher Orientierung an Symptome klammert, die eine Qualität wahrscheinlich machen, und daß ein sinnfälliges Angebot solcher Symptome die persönliche Erfahrung zu ersetzen vermag. Die auf diese Weise mögliche Gewinnung des öffentlichen Vertrauens ist nicht nur innerhalb der Wirtschaft von größter Wichtigkeit, sondern auch in der Politik, der Wissenschaft un in der Kultur. der Anwendungsbereich der Markentechnik dehnt sich fast unbegrenzt aus. (...)

Aus den "22 Grundgesetzen der Markentechnik" leiten sich die Prinzipien der Markenwerbung ab. die erste Frage des Markentechnikers lautet: Was für Sonderleistungen liegen vor, und was kann als besonderes Qualitätsargument zu einer Markenidee geformt werden?

Eine gesunde Markenidee, eine ehrliche Leistung, ein entsprechender Bedarf, ein charaktervolles Gesicht, das bei der Masse Anerkennung findet, und Beharrlichkeit sind alles, was eine Marke zum Leben benötigt. Nicht die Werbung soll bewußt werden, sondern das Vertrauen in die Marke soll unterbewußt gestärkt werden. Eine sachliche Mitteilung wird unterbewußt als "positiv" empfunden. Ihre Existenzberechtigung wird ohne weiteres anerkannt. Der Bereich der sachlichen Mitteilung als Werbemittel ist bedeutend größer, als offensichtlich in der Praxis der modernen Werbung ausgewertet wird.


Zur Beeinflussung der Masse im Sinn der Markentechnik ist es dringend notwendig, sich auf einen einfachen klaren Ton, Tenor oder Stil zu beschränken und hierin Ruhe, Selbstsicherheit und Kraft zu zeigen. Jede Unsicherheit, jeder Wechsel wird von der Massenpsyche sofort als Schwäche begriffen. Wahrheit und Ernsthaftigkeit drückt sich nicht flüssig, vor allem nicht flüchtig aus. Smartheit erzeugt Neid und Bewunderung, aber kein Vertrauen.



aus: Begegnungen mit Hans Domizlaff, Festschrift zu seinem 75. Geburtstag von Paul W. Meyer (Hrsg.), Essen: Verlag Wirtschaft und Werbung, 1967. S. 50, 51

 
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