Manuskript von Hans Domizlaff um 1937 Hans Domizlaff Archiv - Frankfurt am Main
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Manuskript von Hans Domizlaff um 1937
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Vilim Vasata:

Radical Brand

Radical Brand

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Es fällt schwer, diesen Band einzuordnen. Unter dem Titel „Radical Brand. Marke radikal – Überleben in der Sintflut“ legt Vasata sein bisher einziges Buch vor. Erstaunlich, mit wie wenigen Worten Vasata sein Anliegen vorträgt. 158 nicht zu eng bedruckte Seiten widmen sich lediglich dem einen Thema: Radikal-Sein. Es ist der Monolog des Älteren, Erfahrenen zu einem Jüngeren. Eine intime Atmosphäre zieht sich durch den Band. Direkte Ansprache. Halbe Sätze, die sich wie von selbst im Kopf ergänzen. Eine Art Pop-Poesie oder Prosa, wie sie Tom Wolfe, Charles Bukowski oder Jack Kerouac kultiviert haben. Er hat versucht nicht zu viele Worte zu machen, aber vielleicht waren es doch ein paar zu wenig? Von einem Mann mit "Guru-Status" wäre mehr zu erwarten.

Welcher junge Werbe-Eleve hat sich das nicht schon einmal gewünscht: Man betritt zu einer späten Stunde -- zu früh zum Schlafen, zu spät, um sich noch ins Bett zu legen -- die Bar eines der großen Hotels in einer der großen Städte irgendwo auf dieser Welt und dort sitzt ER. Den breiten Rücken im Glencheck dem Raum zugewandt, blickt ER sinnend durch die dicken Gläser seiner Brille in die Reflexe eines Gin-Tonic. Man hört dunkles Gemurmel von späten Gästen, ein Piano spielt leisen Jazz

... und dann setzt man sich ebenfalls an die Theke und der Barkeeper stellt dir dein Lieblingsgetränk hin. Kaum steht das Glas auf der bohlendicken Bar, gehört man schon dazu, zu dieser späten verschworenen Gemeinschaft. ER hat dich schweigend gemustert, wendet sich dir zu und beginnt zu erzählen. Leise, mit eindringlicher, schon etwas rauchiger Stimme, von seinem Leben, der Werbung, den Kunden, der Arbeit, der Perfektion, dem RADIKAL-SEIN:

"Du bist halt doch verdammt schwach, wenn du da was redest und was anderes meinst. Du denkst immer, wenn du ihnen nicht folgst, dann verlierst du, Briefing nicht erfüllt. Aber was verlierst du, wenn du noch gar nichts hast? Doch höchstens was dich ausmacht. Sicherheit. So war das mit Sony. Es war dann so und so verloren. Gut, so geht's. Aber du weißt halt, was du nicht getan hast..."

Und so weiter und so fort fließen die Worte Silbe für Silbe von SEINEM Mund in DEIN Ohr und Du spürst wie in dir ein Brennen aufsteigt. Ein Brennen, das dir zeigt, wenn du jetzt tief Luft holst, hast du alles begriffen und dann gehört die Welt dir. Die Zeit verstreicht, du hörst nur diese Stimme und sie offenbart Einsichten eines alten Mannes am Ende einer Laufbahn. ER war der Größte von allen und jetzt sitzt DU mit IHM hier an der Bar und er erzählt DIR ALLES -- und du merkst: So einfach ist das mit der Werbung, den Marken, dem Leben, dem Gin-Tonic, den Frauen und überhaupt dem ganzen Rest, NA KLAR!

Es ist alles ganz EINFACH! Du mußt es nur richtig machen und RADIKAL sein. Und für Alle, die nicht dabei sein konnten und es trotzdem wissen wollen, gibt es jetzt das Hardcover von Vilim Vasata aus dem Econ-Verlag mit 158 nicht zu klein bedruckten Seiten. Man kann es also auch in der Bar lesen -- wenn man will.

Vilim Vasata: Radical Brand. Marke radikal -- Überleben in der Sintflut. Econ Verlag, München 2000, 158 Seiten, 28 DM.

Lebensmittel Zeitung, Nr. 22, 2. Juni 2000, S. 77

 
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